Wie alles begann

 

Wie alles begann...

 

Eine etwas andere Chronik – Rückblick und Standortbestimmung

 

Hätten die 55 Gründungsmitglieder die Möglichkeit zu einer Zeitreise gehabt, sie hätten große Augen gemacht. Sie hätten sich sicherlich vorstellen können, dass da einiges passiert sein würde bis zu einem Zwischenstopp 100 Jahre später. Doch ob die 55 Männer (!), die am 1. August 1908 zur Gründung des Turnvereins 1908 Holzheim schritten, auch nur eine Ahnung davon hatten, wie sich ihr Verein anno 2008 präsentieren würde, es darf bestritten werden.

Doch zwei Konstanten bleiben: Der Turnverein Holzheim hält 1908 genauso wie 2008 mit der sportlichen Entwicklung in Deutschland mit und ist ein wichtiger Bestandteil des Lebens in Holzheim. Die Gründung in der Kaiserzeit profitierte vom Aufleben der Turnbewegung zum Anfang des 19. Jahrhunderts, nachdem die Anfänge unter Turnvater Friedrich Ludwig Jahn schon ein Jahrhundert früher datiert waren. Nachdem die zwischenzeitliche Blüte bis zur Niederschlagung der Revolution von 1848/49 wieder verdorrte, rückte das Turnen mit der Leibesübung Ende des Jahrhunderts erneut stärker in den Fokus. Und Anfang des 20. Jahrhunderts fand das seine Bestätigung durch zahlreiche Gründungen von Turn- oder Sportvereinen. Das zeigen die Gründungsjahre vieler Nachbarvereine.

In Holzheim hatte das Turnfest vom Juli 1908 in Frankfurt Euphorie geweckt. Die Vereinschronik gibt darüber Auskunft: „Infolge dieses Festes wurde auch bei uns der Gedanke an die Gründung eines solchen Vereins hin und her besprochen.“ Es blieb nicht bei den Gesprächen. Am 1. August schritten die Holzheimer Männer zur Gründung, um den „Anblick schönster und herrlichster Übungen“ (wieder die Vereinschronik) auch selbst zu liefern.

Natürlich gab es nach der Gründungsversammlung weitere bemerkenswerte Daten und Termine im Vereinsgeschehen. Etwa, dass die Musterriege des TVH 1910 bereits an der Jubiläumsveranstaltung des MTV Gießen zu dessen 25-jährigem Bestehen teilnahm. Oder, dass 70 Holzheimer Turner 1913 beim Bezirksturnfest in Griedel sechs Sieger stellten. Vielleicht auch, dass 1921 das Bezirksturnfest in Holzheim abgehalten wurde. Oder 1938 das Kreis-Kinderturnfest. So lassen sich über das originäre Turnen hinaus sicherlich noch viele markante Daten aus der Chronik des Vereins und seiner Abteilungen herausziehen. Wichtig sind aber die Entwicklungsstränge, die die 100 Jahre kennzeichnen. Genauso wichtig ist auch das immer wieder erneuerte Engagement, mit dem die jungen Sportler (seit 1933 auch Sportlerinnen), Übungsleiter, Vereinsvorstände und anderen Ehrenamtler den Verein am Leben hielten und ihm immer wieder neue Impulse vermittelten.

Immerhin steckten die Mitglieder des Turnvereins zwei Weltkriege mit ihren tragischen Folgen weg. 16 von ihnen starben zwischen 1914 und 1918 den (vermeintlichen) „Heldentod“. 26 gefallene und 16 vermisste Vereinsmitglieder zählt die Ehrentafel beim Blick auf die unheilvolle Periode unter den Nationalsozialisten mit dem 2. Weltkrieg von 1939 bis 1945. Wie schon während des 1. Weltkriegs ruhte auch von 1941 bis 1948 – offiziell – das Vereinsleben. Doch wie schon 1919 fanden sich auch nach 1945 junge Menschen zusammen, die Sport treiben wollten. Und zum 17. Februar 1948 wurde wieder zur Generalversammlung eingeladen.

Seit dieser Zeit nimmt sich das Vereinsleben vergleichsweise beschaulich aus. Immerhin sind aus den 55 Mitgliedern der Gründung fast zehn Mal so viele geworden. Im Vergleich dazu: Die Bevölkerungszahl von Holzheim ist von etwa 1000 im Jahre 1908 auf fast 2500 im Jubiläumsjahr gestiegen. Umfasste also 1908 der Turnverein ein Zwanzigstel der Dorfbevölkerung, so ist diese Zahl heuer auf ein Fünftel (!) angewachsen. Das zeigt, welchen bedeutsamen Stellenwert der größte und älteste Verein des nunmehr südlichsten Stadtteils von Pohlheim hat.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Mitglieder

 

Wie schon erwähnt, Turnen war in seinen Anfängen eine Männersache. Aber schon 1933 stellte Heinrich Jung eine Damen-Riege vor. Nachdem der Frauensport in den 50er und 60er Jahren wieder etwas zum Erliegen gekommen war, nahm er bald einen erneuten Aufschwung, als Karl-Heinz Hock 1967 die Frauenhandball-Abteilung ins Leben rief. Und als die Bewegung der Frauen-Gymnastik auch nach Holzheim schwappte, hatte das ebenfalls Folgen. Im Juni 1971 schloss sich die hiesige Gruppe dem TV 08 an – und ist jetzt nicht mehr wegzudenken. Nicht unbedingt spektakulär, aber stetig prägen die sportlichen Damen das Vereinsleben mit. Und im Jahr des 100-jährigen Bestehens blickt der Verein auf vier Frauensportgruppen unterschiedlichster Couleur – und bietet immer mal wieder spezielle Kurse an, die vor allem vom weiblichen Klientel genutzt werden.

Diesbezüglich tun sich die Männer schwerer. Dafür dominiert hier nicht erst seit der Jahrtausendwende der Handball – obwohl die Vereinsgeschichte auch zahlreiche andere Sportarten vorweist. Dazu später mehr.

Aber in erster Linie ist der Sport auch in Holzheim eine Sache der Jugend. Seit 1921 ist Jugendsport beim TVH dokumentiert. Denn in diesem Jahr wurde erstmals eine Schülerriege vorgestellt. Ähnlich der Mitgliederentwicklung hat sich das Vereinsangebot hier drastisch ausgeweitet. Von der ebenfalls 1971 ins Leben gerufenen Mutter-und-Kind-Gruppe über das Kinderturnen (mit zwei Gruppen), die Zusammenarbeit mit der Regenbogenschule (ebenfalls zwei Gruppen) und das Minihandball mündet das vor allem in die verschiedenen Jugendhandball-Mannschaften der HSG Pohlheim – mit deutlichem Schwerpunkt in Holzheim. Daneben laufen inzwischen vier von den Ortsvereinen betreute Tanzgruppen unter den Vorzeichen des Turnvereins. Und die relativ regelmäßige Zusammenarbeit mit dem Kindergarten und anderen Vereinen zeigt, welch wichtigen Stellenwert Bewegung und Sport (und damit der TV Holzheim) für die junge Generation in Holzheim haben; gerade in einer immer bewegungsfeindlicheren Umwelt und bewegungsarmen Gesellschaft.

Aber unter dem Stichwort Mitglieder soll und muss noch ein anderer Aspekt beleuchtet werden: Der in diesen Tagen immer wieder zitierte Begriff „Integration“. Hier hat auch der Turnverein Holzheim wichtige Beiträge geleistet, leistet sie noch und weiter, stößt aber auch an seine Grenzen.

Als ein Beispiel seien die – überwiegend aus dem Sudetenland nach Holzheim gekommenen – Flüchtlinge/Vertriebenen genannt. Richard Kirschstein-Freund, den alle nur „Paul“ nennen, hat seine Kinder- und Jugendjahre in Holzheim gelebt und formuliert es rückblickend so: Als Mitglied der Schüler-Handball-Mannschaft habe er zwar die „blaue Turnhose und das weiße Feinripp-Turnhemdchen“ tragen dürfen. Aber: „Einheimische Buben wurden mir zunächst vorgezogen.“ Doch ist das „zunächst“ betont. Denn im Laufe der Zeit habe sich das geändert. „Auch bei den sogenannten Aktiven wirkten Flüchtlinge mit, deren Talent nicht übersehen werden konnte. Beispielhaft nenne ich hier: Adolf Hampel, Kurt Sendler und Bruno Irmler.“

Heutzutage spielt – egal in welcher Mannschaft oder Abteilung – die Herkunft oder Nationalität, Religionszugehörigkeit oder Hautfarbe keine Rolle mehr, um am Sportbetrieb des TV teilzunehmen. Mit wenigen Ausnahmen. Denn beispielsweise sind bislang alle Versuche fehlgeschlagen, die aus Russland zugezogenen Baptisten an den organisierten Sport und das Vereinsleben heranzuführen. Und auch in der Vergangenheit gab es unsichtbare Hürden, um im Turnverein Sport zu treiben, vor allem um Handball zu spielen. Noch einmal „Paul“ Kirschstein, der die Situation in den 50er Jahren folgendermaßen umschreibt: „Nicht wenige talentierte junge Holzheimer mussten aus familiären Gründen auf das Handballspielen verzichten – zumindest bei Heimspielen, denn da konnten sie ja von Angehörigen gesehen werden, die in einigem Abstand das Spiel verfolgten.“ Doch das Verhältnis zu den angesprochenen unterschiedlichen Interessengruppen im Ort hat sich – glücklicherweise – deutlich entkrampft, so dass es hier keine Probleme mehr gibt.

 

 

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zuletzt aktualisiert:16.11.2018

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